Unsere große kleine Farm – Eine Reanimation der Natur

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Schicksalhaft wach gebellt

(cooppa, 19.07.2019, Aurelia Jurtschitsch) Als preisgekrönter Natur- und Tierfilmer war John Chester immer nah am Geschehen. So auch bei einer Dokumentation über ein Hunde-Tierheim, von dem er spontan den schwarzen Todd nach Hause mitnahm. Seine Frau Molly, Expertin für traditionelle Küche, hegte den Traum einer eigenen Farm. Und dazu sollte Todd den Anstoß geben, denn sein Gebell trug den beiden die Delogierung aus ihrer Mietwohnung ein – und machte Platz für die Realisierung des großen Ideals: Eine „altmodische“ Farm mit allem Drum und Dran an Pflanzen und Tieren.

Das ging natürlich nicht mit einem Fingerschnippen, sondern nach eingehender Recherche – sowohl bezüglich Know-how als auch Finanzierung bzw. einem geeigneten Platz. Ein Investor wurde gefunden (leider wird nicht verraten, welche Höhe veranschlagt wurde), genauso wie der „Guru“ für biodynamische Bodenbelebung und Biodiversität, Alan York, für das Projekt gewonnen werden konnte und eine Stunde außerhalb von Los Angeles wurde der Platz der Bestimmung gefunden: Apricot Lane Farm.

Landwirtschaft und/oder Natur

Die acht Jahre Drehzeit für „Unsere große kleine Farm“ beinhalten so ziemlich alles, was an überschwänglicher Fülle oder deprimierendster Zäsur durch „das Leben“ passieren kann. Die Vorbesitzer hatten die 81 Hektar große Farm mit Monokultur aus Zitronen und Avocados verwirtschaftet; vertrockneter, toter Boden wartete auf Wiederbelebung. Schritt für Schritt wurde das Puzzle für eine Kreislaufwirtschaft zusammengesetzt, wobei das Zauberwort „Vielfalt“ über allem stand. Nach Gründüngung und Pflanzung von 75 verschiedenen Obstsorten, nach der Installierung einer weitläufigen Bewässerungsanlage, nachdem Enten, Hühner, Schafe Einzug gehalten hatten, setzte Emma, die mächtig-trächtige Muttersau den Schlusspunkt.

Tatkräftige, helfende Hände kamen zum Team dazu – und je mehr es zu prosperieren begann, fanden auch ungebetene Nutznießer ihr neues Revier: Schwärme von Staren pickten an den Pfirsichen, was zu einem Verlust von 75 % der Früchte führte. Schnecken belagerten die Bäume und zerfraßen Blätter, bis endlich die Enten sie ihrerseits als Delikatesse entdeckten. Ein Kojote riss in nur einer Nacht ein Dutzend Enten. Immer neue „Player“ kamen ins Spiel: Schleiereulen, wühlende und zernagende Erdhörnchen, seltene Singvögel, Schlangen – und Millionen von alles belebenden Mikroorganismen.

Alan Yorks Credo und Vermächtnis ist, als Zielsetzung die natürlichen Ökosysteme in der landwirtschaftlichen Produktion für den Menschen nachzuahmen. Es gilt, das selbstregulierende Rad des Lebens in Schwung zu bringen, wobei Biodiversität die entscheidende Rolle spielt und auch heftige Witterungseinflüsse integriert werden können: Dürre und Dauerregen, Stürme und Wald- oder Steppenbrand. Aber prinzipiell kann durch Artenvielfalt und kluges Management von Gegenspielern eine naturnahe Landwirtschaft gut reguliert werden und einseitige Epidemien werden quasi ausgeschlossen.

John Chester fing mit dem Blick als Regisseur und Neo-Bauer all die spannenden, ernüchternden, dramatischen und beglückenden Momente ein und erklärt so seine Beobachtung, dass alles im Leben der Natur seinen Zweck hat.

Seit 12. Juli in den Kinos

Links:

Beitragsbild: Biggest Little Farm / Unsere kleine Farm (Quelle: https://www.biggestlittlefarmmovie.com/gallery/)

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