„Der Krumbacher Kreis“ – Avantgarde des ökosozialen Wandels zu einer friedlichen Wende

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Wenn wir unsere Aufmerksamkeit jetzt auf die Debatten um „die Zeit danach“ lenken, dann erkennen wir Strömungen, die sich in entgegengesetzte Richtung bewegen. Entstehen hier gefährliche Wirbel, die uns in die Tiefe ziehen könnten, wenn wir nicht rechtzeitig versuchen, sie zu umschiffen?

(cooppa, 14.04.2020, Ilse Kleinschuster) Wenn ich im folgenden Text von „wir“ spreche, dann meine ich den kleinen Kreis um Wolfgang Pekny, den Gründer und langjährigem Vorstand des österreichischen Netzwerks für den ökologischen Fußabdruck und den mutigen Greenpeace-Aktivisten der ersten Stunde. Sein Hauptwohnsitz ist in Krumbach am Wechsel und dortselbst haben sich ein paar aktive Freunde aus dem Kreis einer engagierten Zivilgesellschaft im Sommer 2019 getroffen, um über die Möglichkeiten eines friedlichen Wandels, einer Green Transition, Grundsätzliches zu skizzieren.

Klargestellt wurde zunächst, dass in Sachen Wandel, einer „Great Transition“, einerseits das Potential noch nie so hoch war wie gerade jetzt, dass es aber andererseits deutliche Anzeichen für eine nachhaltige Nicht-Nachhaltigkeit der aktuellen Wirtschaft und Gesellschaft gebe. Eine „Imperiale Lebensweise“ (Ulrich Brand) sorgt im Gegenteil für ihre Verbreiterung: „Overshoot-Day“ – früher im Jahr, Klimaflüchtlingsfrage – ungelöst, soziale Fairness und Umbau des Finanzsystems – schleppend, Artenschutz und vieles mehr, wofür schon lange gekämpft wird – in der Warteschlange!

Die Chancen für einen Wandel scheinen rein theoretisch groß, wenn auch die Zielrichtung nicht immer konvergent mit der „unsrigen“ ist. Noch gibt es kein Narrativ, das stark genug wäre, um die „grüne Bewegung“ für die große Masse schmackhaft genug zu machen. Ein ausgeprägter Trend zu Individualismus-Emanzipation verbieten es geradezu den „Ach-so-liberal-Gesinnten“ sich im Kollektiv zusammenzufinden. Dies gelang bisher und gelingt noch immer den konservativ-populistischen Kräften offensichtlich viel besser. Die Erzählung von „zurück zur gewohnten Normalität“ scheint für viele ein verlockenderes Ziel, als die vom „Aufbruch zu etwas Neuem“. Ausgeblendet bleibt dabei, dass die Gesellschaft in ihrem gesamten Wirken auf diesem „begrenzten Planeten“ schon lange vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie überhaupt nicht in Ordnung war – keinesfalls zukunftsfähig.

Klar ist für „uns“, dass 1) im Hier und Jetzt ganz offensichtlich Mangel an Diskursfähigkeit herrscht, um in naher Zukunft den Erhalt der Evolvability unserer Gesellschaft zu sichern – und, dass 2) die Beseitigung dieses Mangels die große Herausforderung für eine intellekturelle und emanzipierte Zivilgesellschaft ist. Dazu: http://www.footprint.at/uploads/media/Bildung_fuer_Globalverstand.pdf

Viele der auf dieser Plattform erarbeiteten Prinzipien für eine zukunftsfähige Gesellschaft sind gerade in großer Gefahr – ja, sie werden vielfach sogar systematisch torpediert, meist aus machtpolitischen Gründen. Es erhebt sich daher die Frage, ob „wir“ in der gesellschaftspolitischen Praxis je mit unseren (teils radikalen, nicht systemrelevanten) Transformationsimperativen Erfolg haben können, solange die politischen Parteien, die mitregieren wollen, ihnen nicht gerecht werden können. Es ist für „uns“ jedenfalls beängstigend zu sehen, wie sehr soziale Innovationen, die nicht im Sinne von wirtschaftlichen Macht- und Geldeliten sind, als zu radikal abgelehnt werden. Es bleibt also abzuwarten, welche Konsequenzen aus „unseren“ kritischen Konzepten, die dann in Politikvorschlägen zur Umsetzung gebracht werden könnten, gezogen werden.

Klar ist: Pfadabhängigkeit zu brechen und langfristige Mentalitäten zu beeinflussen ist kein Kinderspiel. Wenn wir nicht aufpassen, werden „unsere“ inhaltlichen Schrebergärten zu Nebenschauplätzen der aktuellen „Weltrettung – koste es, was es wolle!“  – Schlimmer noch, sie laufen Gefahr zu einer Ablenkung im notwendigen Kampf gegen die zunehmend faschistoiden Macht-Inseln in einem Meer unwissender und verängstigter WählerInnen zu verkommen. „Wehret dem Ende!“ und „wehret den Anfängen!“ – war schon lange nicht so nahe beieinander.

In „guter“ Hoffnung, dass „wir“ es hier mit einem geeigneten Setting zu tun haben, in dem es für den Geburtshelfer aufmerksame Begleitpersonen gibt, denen es nicht nur um einen rationalen Lernprozess geht, sondern um ein umfassendes transformatives Geschehen im Zuge dessen emotional-imaginative Veränderungen möglich sind,

verbleibe ich eure

Ilse Kleinschuster (14. April 2020)

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