#Zukunftstaucher – Kescher Nr. 5 | Aktuelle Zukunftsmeldungen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft vom 19.11.2019

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Inhalt: Bundeshaushalt 2020 – Vision Europa 2049 – Tesla kommt nach Brandenburg – Zielbilder für die Landwirtschaft 2049 – Sixtus-Buch: Ein Land von Zukunftsverweigerern? – Zukunft in der Wissenschaftskommunikation – LANXESS wird bis 2040 klimaneutral – Harald Lesch über Schule der Zukunft – Wir verschieben Problem in die Zukunft – Neues MPI zur Wechselwirkung von Mensch und Erdsystem


Neue Zukunftsposten im Bundeshaushalt 2020

In den legendären Bereinigungssitzungen des Bundestags-Haushaltsauschuss sind noch einige zum Teil wegweisende Veränderungen am Entwurf des Bundesetat 2020 vorgenommen worden, der kommenden Woche im Plenum verabschiedet wird.  Johannes Kahrs, haushaltspolitischer Sprecher erklärt dazu: „Wir treiben den Klimaschutz mit Förderprogrammen in Milliardenhöhe voran. Wir bringen die Ausgaben für Bildung und Forschung auf einen neuen Höchststand. Dieser Haushalt bringt Deutschland gut durch das nächste Jahr und macht unser Land fit für die Zukunft“.
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Ausgewählte Positionen:

Klimaschutz:

  • Mit dem Haushalt 2020 setzen wir die Beschlüsse der Bundesregierung zum Klimaschutzprogramm 2030 um. Der Umsatzsteuersatz für Bahnfernreisen wird von 19 auf sieben Prozent verringert. Die Luftverkehrsteuer wird erhöht.
  • Wir stellen rund sieben Milliarden Euro im Energie- und Klimafonds (EKF) für Förderprogramme zur CO2-Minderung zur Verfügung, unter anderem für die energetische Gebäudesanierung, zum Heizungstausch, für die Ladesäuleninfrastruktur, erhöhte Elektroauto-Prämie sowie Batterie- und Wasserstoff-Forschung.
  • Neu gegenüber dem Ergänzungshaushalt der Bundesregierung sind die folgenden Programme: Wasserstoffeinsatz in der Industrieproduktion (445 Millionen Euro bis 2024), Antriebstechnologien und moderne Kraftstoffe für die Luftfahrt (200 Millionen Euro für 2020 und 2021), Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel (100 Millionen Euro bis 2023), Hybridelektrisches Fliegen (75 Millionen Euro bis 2024) und das Innovationsprogramm moderne Energien für KMU (46,5 Millionen Euro bis 2023).
  • Wir stellen 600 Millionen Euro zusätzlich für den internationalen Klimaschutz bereit, davon 500 Millionen Euro im Bereich des BMZ sowie 100 Millionen Euro im Bereich des BMU.
  • Zur Erhöhung des Eigenkapitals der Deutschen Bahn AG wird aus dem Einzelplan des BMVI eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt. Bis 2030 wird das Eigenkapital um jeweils eine weitere Milliarde Euro pro Jahr aufgestockt.
  • Für die Förderung des Exports von Technologie zur Bekämpfung von Plastikmüll werden zusätzlich 15 Millionen Euro bis 2023 aus dem Einzelplan des BMU bewilligt.

Bildung und Forschung:

  • Der Einzelplan des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erreicht mit 18,3 Milliarden Euro eine neue Rekordhöhe. Die im Regierungsentwurf noch vorgesehene Kürzung gegenüber dem Haushalt 2019 wird durch zusätzliche Ausgaben für Forschung und Künstliche Intelligenz in einen Aufwuchs überführt.
  • Für den Digitalpakt Schule werden zusätzlich 222 Millionen Euro in das Sondervermögen „Digitalfonds“ eingestellt. Damit wird der von den Ländern angemeldete Bedarf finanziell unterlegt.
  • Für den Bereich „Künstliche Intelligenz“ wird die zweite Tranche von gut 500 Millionen Euro auf die einzelnen Ressorts verteilt. Dabei entfallen auf das Bundeskanzleramt 10 Millionen Euro, auf das BMI 6,75 Millionen Euro, das BMJV 5 Millionen Euro, das BMF 30 Millionen Euro, das BMWi 131 Millionen Euro, das BMEL 18 Millionen Euro, das BMAS 60,925 Millionen Euro, das BMVI 40 Millionen Euro, das BMG 30 Millionen Euro, das BMU 20 Millionen Euro, das BMFSFJ 12,5 Millionen Euro und das BMBF 154,5 Millionen Euro.

Wirtschaft und Strukturwandel:

  • Um den Strukturwandel in den vom Kohleausstieg betroffenen Regionen hat die Bundesregierung den Entwurf eines Strukturstärkungsgesetzes Kohleregionen in den Bundestag eingebracht. Bis 2038 sollen die betroffenen Länder rund 40 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt erhalten. Für den Bundeshaushalt 2020 haben wir dafür die Verstärkungsmittel von bisher 500 Millionen Euro auf eine Milliarde Euro angehoben.
  • Die Mittel für das Nationale Weltraumprogramm haben wir um 11 Millionen Euro auf über 308 Millionen Euro erhöht. Für das europäische Erdbeobachtungssystem Copernicus sind 594 Millionen Euro bis 2028 vorgesehen.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Kultur und Sport:

  • Die Mehrgenerationenhäuser werden mit zusätzlich rund 5,5 Millionen Euro gefördert.
  • Für das zivilgesellschaftliches Engagement, etwa das Programm „Menschen stärken Menschen“, stellen wir zusätzlich zehn Millionen Euro bereit. Das Programm „Demokratie leben!“ zur Extremismusprävention erhält zusätzlich acht Millionen Euro.
  • Der Bund fördert im Jahr 2020 die flächendeckende Versorgung mit Abonnementzeitungen mit 40 Millionen Euro.
  • Waren für die sogenannte Games-Förderung im Regierungsentwurf keine Mittel vorgesehen, so sind jetzt für die Jahre 2020 bis 2023 insgesamt 200 Millionen Euro eingeplant.“

Vision Europa 2049

In welchem Europa wollen wir in 30 Jahren leben? Eine Antwort auf diese Frage haben in den letzten Monaten Vertreter der Jugendverbände im Netzwerk der Europäischen Bewegung Deutschland (EBD) entwickelt. Gemeinsam mit dem Deutschen Bundesjugendring e.V. (DBJR) hat ihnen die EBD im Jahr ihres 70. Geburtstags ein Forum für die Entwicklung einer europapolitischen Vision des Jahres 2049 geboten. Darüber diskutieren am 26.11.2016 in Berin u.a.: Jörg Wojahn, Vertreter der Europäischen Kommission in Deutschland, Dr. Linn Selle, Präsidentin der Europäischen Bewegung Deutschland e.V., Tobias Köck, Vorsitzender des Deutschen Bundesjugendrings, sowie Dr. Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (angefragt).
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Zukunft durch Großinvestition: Tesla kommt nach Brandenburg

Gigafactory in Brandenburg : Tesla plant bis zu vier Milliarden Euro für Grünheide – Die Fabrik soll voraussichtlich Ende 2021 in Betrieb gehen und zunächst den künftigen Kompakt-Sportgeländewagen Model Y sowie auch Batterien und Antriebe bauen. Ministerpräsident Woidke: Die Giga-Fabrik wird Brandenburg als innovativen und internationalen Standort einen weiteren Schub und sehr vielen Menschen gute Arbeit geben.

Mehr hier und hier sowie Analyse hier.


Zielbilder für die Landwirtschaft 2049

Wie kann, wie soll die Landwirtschaft den vielfältigen Herausforderungen begegnen und wie wird sie in 30 Jahren aussehen? Märkte, Klima, Gesellschaft und politische Rahmenbedingungen ändern sich rapide. Auf dem Strategischen Forum der Deutschen Agrarforschungsallianz sollen am 18. und 19. 11. Eckpunkte für Zielbilder erarbeitet werden, in denen die vielfältigen Vorstellungen und Wünsche aus Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft zu Orientierungsmarken für die deutsche Agrarforschung verdichtet werden sollen.

Die Agrar- und Ernährungswirtschaft in Deutschland soll sich bewegen: sie soll stärker den sich ändernden Erwartungen der Gesellschaft an Qualität, Tierwohl, Umweltschutz und Nachhaltig-keit entsprechen. Gleichzeitig sollen Lebensmittel für alle Konsumenten erschwinglich und die Landwirtschaft wettbewerbsfähig bleiben. Wenn viele Kräfte an einem Punkt ansetzen und ihn in unterschiedliche Richtungen ziehen, bewegt er sich unter Umständen gar nicht. Wäre der Punkt elastisch wie ein Pizzateig, würde er dünn und könnte reißen; die Landwirtschaft könnte keine ihrer Aufgaben ordentlich erfüllen. Wir möchten, so die DAFA, dem gesellschaftlichen Dialog beim Gestalten eines in sich konsistenten Zielbildes Orientierung bieten. Thematische Schwerpunkte für die Zielbilder sind die Herausforderungen an die Land- und Ernährungswirtschaft als Gesamtsystem sowie in den Handlungsfeldern Landschaft, Ackerbau, Tierhaltung, Ernährung, Stoffkreisläufe und Ressourcen, Biodiversität, Klimaschutz und -wandel sowie Digitalisierung.
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Ist Deutschland ein Land von Zukunftsverweigerern?

Im #OpenSpace4Future der Zukunftstaucher wurde am 4.11.2019 das Buch „Warum an die Zukunft denken?“ von Mario Sixtus diskutiert, die Gunnar Sohn zu Anfang der Skype-Konferenz zusammengefasst hat. Wollen die Deutschen wirklich mehrheitlich, dass alles so bleibt wie es war, oder rührt die allgemeine Zukunftsangst woanders her? Brauchen wir einen anderen Umgang mit dem Thema Digitalisierung und was können wir dazu beitragen, eine zukunftsfähige Gesellschaft zu schaffen?

Hier die Aufzeichnung des knapp einstündigen Gesprächs.

Mehr zum Buch hier:
Mario Sixtus: „Warum an die Zukunft denken?“
Duden Verlag Berlin, 2019. 128 Seiten, 14 Euro. – Ab 14.10.2019 im Handel.
www.warumandiezukunftdenken.de

Sixtus im Gespräch mit dem Deutschlandfunk.

Podcast: N99 | Mario Sixtus über die Zukunft: „Was ich vermisse, ist Offenheit“


„Zukunft“ im Grundsatzpapier des BMBF zur Wissenschaftskommunikation

Am 14.11.2019 stellte Ministerin Karliczek ein dreiseitiges Positionspapier zur Wissenschaftskommunikation vor. Das Stichwort „Zukunft“ kommt darin an diesen Stellen vor:

(1) Die Diskussion um den Klimawandel und die breite Unterstützung der „Fridays-for-Future-Bewegung“ durch mittlerweile über 26.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler („Scientists for Future“) verdeutlicht pars pro toto die Relevanz von wissenschaftlichen Fragen und Erkenntnissen für die Zukunft unserer Gesellschaft.

(2) Auch in Zukunft sollen neue und innovative Ansätze und Formate der Wissensvermittlung und Partizipation – von der Bürgerforschung über Bürgerdialoge bis zum partizipa­tiven Agendasetting – gefördert werden.

(3) In einem Beteiligungsprozess zur Hightech-Strategie werden breite Bevölkerungsgruppen in einen Dialog zur Zukunft von Forschung und Innovation einbezogen. Gemeinsam mit der Bundesregierung arbeiten die Teilnehmenden an der Weiterentwicklung der Forschungs- und Innovationsstrategie.

(4) Insbesondere in Zeiten zunehmender digitaler Vernetzung sind reale Orte wichtig, an denen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Bürgerinnen und Bürger über Chancen und Herausforderungen wissenschaftlicher Entwicklungen diskutieren und Ideen zur Gestaltung der Zukunft entwickeln können.

(5) Es ist für unsere Gesellschaft von großer Bedeutung, dass es gelingt, sich zu zentralen Zukunftsthemen auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Fakten zu verständigen.

(6) Es gilt, Wissenschaftskommunikation in Zukunft stärker entlang der gesamten Bildungskette zu denken – von der Kita bis zur Hochschule und darüber hinaus.

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Grüne Chemie: LANXESS wird bis 2040 klimaneutral

Der Kölner Spezialchemie-Konzern LANXESS hat sich ein ambitioniertes Klimaschutzziel gesetzt: Bis 2040 will er klimaneutral werden und seine Treibhausgas-Emissionen von derzeit rund 3,2 Millionen Tonnen CO2e abbauen. Bereits bis 2030 soll der Ausstoß um 50 Prozent gegenüber heute auf rund 1,6 Millionen Tonnen CO2e reduziert werden. Die drei Stellschrauben sind: Klimaschutzprojekte mit großem Reduktionshebel initiieren, Emissionen und Wachstum entkoppeln sowie Prozess- und Technologieinnovationen stärken

Mehr hier und hier.


TV-Bericht über Schule der Zukunft

Die digitale Revolution hält Einzug selbst in Kindergärten und Schulen: Smartphones, Tablets und Apps sind allgegenwärtig. Ein Fortschritt des Lernens? Wissenschaftler suchen nach einem Rezept für den intelligenten Umgang mit der neuen Technik an Schulen. Wie sieht die Zukunft des Lernens aus? Harald Lesch zeigt, wo sich Widerstände gegen das „digitale Klassenzimmer“ formieren und was über Erfolg und Misserfolg entscheidet.

Link zum TV-Bericht


Klimaforscherin Daniela Jacob: Wir verschieben Problem in die Zukunft


Ein neues MPI zur Wechselwirkung von Mensch und Erdsystem

„(…) Aber Neustrukturierungen der Beratung helfen allein nicht. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir auch genuin neue Erkenntnisse benötigen, die sich nicht einfach aus dem laufenden Betrieb ergeben. Die Prozesse, die uns gegenwärtig ins Anthropozän katapultieren, beruhen auf einer Wechselwirkung zwischen der globalen menschlichen Gesellschaft und dem Erdsystem. Diese Kopplungen sind bisher noch kaum verstanden.

Wie hängen die ko-evolutionären Pfade von Klima, Biodiversität, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung, Recht, Digitalisierung, Energie- und Rohstoffsystemen miteinander zusammen? Die Max-Planck-Gesellschaft überlegt deshalb zurzeit, ob sie ein neues Institut gründet, das unter der Bezeichnung „Geoanthropologie“ der Erforschung der ineinandergreifenden globalen Transformationsprozesse gewidmet ist.

Auch an vielen anderen Stellen des deutschen Wissenschaftssystems hat das Thema Nachhaltigkeit schon jetzt einen Innovationsschub ausgelöst. Hinzukommen müsste der Dialog einer arbeitsfähigen nationalen Wissenschaftsakademie mit einer in Hinblick auf Nachhaltigkeit sprechfähigen Bundesregierung – etwa durch Einrichtung einer entsprechenden Taskforce im Kanzleramt. Ein solcher Dialog muss öffentlich und transparent geführt werden. Und er bedarf des Korrektivs durch breite gesellschaftliche Diskussionen über wünschenswerte Szenarien und ihre Konsequenzen. Ein Rahmen dafür wären neue Formate des Bürgerdialogs.“

Von hier

Die Menschheit versteht kaum, was sie der Erde antut. Dies ist die Stunde der Wissenschaft, die aber noch handlungsfähig werden muss. Ein politischer Appell von Jürgen Renn (16.10.2019)


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