Zukunftskompetenzen, oder: was wir besser verlernen sollten

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Anfang Februar hieß es zum ersten Mal #100minutenZukunft

(cooppa, 25.02.2021, Fritz Hinterberger) Wie können sich Menschen auf die Umbrüche, die vor uns liegen, einstellen – und wie können wir uns zu ihnen „in Beziehung setzen“? Diese Frage stellt Markku Wilenius sich und den Teilnehmern der ersten Ausgabe der Online-Veranstaltungsreihe #100minutenZukunft >> Mobilität 2050, die ganz im Zeichen des Themas „Umbruch“ stand.

„Die globale Pandemie gibt uns einen Einblick“, meint der finnische Zukunftsforscher und Mitglied des internationalen Club of Rome. Sie gebe uns einen Vorgeschmack darauf, wie wir die Welt in 20 oder 30 Jahren sehen könnten. 2020 habe gezeigt, „wie verrückt die globalen Handels- und Transportströme geworden sind.“

Umgehen mit vielen Umbrüchen

Transport sei aber eine Folge unserer Bedürfnisse. Gerade die jüngste Vergangenheit habe gezeigt, wie sich Bedürfnisse ändern. „Sie reagieren stark auf Herausforderungen und Möglichkeiten – und das in der aktuellen Situation sehr schnell“.

COVID-19 sieht er daher als Herausforderung für die globale Wirtschaft, die vieles bisher als selbstverständlich Erachtete ändern wird. Dabei werde aber nur verstärkt und beschleunigt, was die Globalisierung ohnehin mit sich bringt. Es wird in Zukunft noch mehr solcher Umbrüche geben und wir sollten lernen, damit umzugehen. Resilienz sei der Begriff, der beschreibt, wie gut uns das gelingt.

Es seien im Wesentlichen vier Herausforderungen, die Transport und Logistik jetzt und in naher Zukunft grundlegend verändern würden (ab Minute 20): die Überschreitung der planetaren Grenzen, steigende Komplexität aller Prozesse und damit zusammenhängende Herausforderungen für die Kreativität und die Empathie der Menschen erfordern eine Transformation, die etwas benötigt, das Wilenius „Zukunftsfähigkeiten“ nennt.

„Unlearning becomes a big issue“

Es brauche die Fähigkeit zu angepassten bzw. sich anpassenden Technologien, die menschliche Fähigkeit, damit umzugehen und die Fähigkeit zur Vorausschau auf die Zukunft.

Zum Er-lernen von immer Neuem käme auch das Erfordernis zu „ent-lernen“, was heute nicht mehr gebraucht wird, weil es zu den neuen Verhältnissen nicht mehr passt. Ressourceneffizienz wird im Zeichen knapper werdender Rohstoffe eine der neuen Kompetenzen sein.

Probleme bringen die Kompetenz zur Lösung mit sich

Günther Ofner, Vorstandsdirektor der Flughafen Wien AG, stimmt (ab Minute 56) Markku Wilenius im Wesentlichen zu: wir brauchen einen positiven Blick in die Zukunft, Agilität und Flexibilität anstatt irrationaler Ängste. Bei wachsenden Problemen entwickeln sich auch Problemlösungskapazitäten. Null-Emissions-Flugzeuge seien laut Ofner durchaus vorstellbar.

„Nie zuvor hatte die Menschheit so umfassende Mittel wie heute, um alle Herausforderungen – soziale, politische und ökologische – zu meistern“, meint der Flughafen-Chef. Entscheidend seien Vernunft, Wissenschaft und technologischer Fortschritt; die Gefahren liegen in Halbwahrheiten, Alarmismus und ‚Gut gemeint‘ anstelle von ‚gut gemacht‘. „Wir brauchen daher eine neue Aufklärung basierend auf Fakten und Vernunft“, so Ofner.

Vom Großen zum Kleinen

Ralf Wunderer ergänzte (ab 1 h 8 Minuten) dazu einen regionalen Blick. Als Landschaftsplaner ist Ralf Wunderer ist er in der Region Römerland Carnuntum tätig, die die Veranstaltunsreihe #100minutenZukunft >> Mobilität 2050 federführend veranstaltet. Im Spannungsfeld zweier Metropolregionen (Wien und Bratislava), die durch die Verkehrsachsen A4 und Ostbahn verbunden sind (letztere soll auch ausgebaut werden) – dazu kommt der Flughafen Wien-Schwechat. Die Siedlungsentwicklung hängt stark davon ab.

Die Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung der Region Römerland Carnuntum beschleunige sich von Jahr zu Jahr und sei doch sehr heterogen. Transport und Logistikinfrastruktur wurden folgerichtig jahrelang nur ausgebaut. Aktuell (und ebenfalls verstärkt durch Covid) wird aktive Mobilität (zu Fuß gehen, Rad fahren, etc.) stärker zum Thema. Das Thema Home Office fördere auch neue Ansprüche – etwa an Gemeinschaftsbüros und Freizeiteinrichtungen vor Ort.

Sensibeles Umgehen ermöglicht Anpassung an Bedürfnisse

Seine konkrete Arbeit vor Ort wird dabei stark von Mobilitätsthemen beeinflusst, die anderswo entschieden werden. Die Ortsplanung legt Strukturen für Jahrzehnte fest, es sei daher darauf zu achten, „dass es dann in 20 Jahren auch noch passt und nicht Strukturen geschaffen werden, die dann niemand mehr will“. „So wird es umso wichtiger, mit der Ressource Boden und der Ressource Mensch sensibel umzugehen“, sagt Landschaftsplaner Wunderer, sich zu überlegen, „wie sich die Ortsplanung an veränderte Transportströme und sich permanent ändernde Bedürfnisse der Bevölkerung immer wieder anpassen kann“.

Die „kleine Baulandwidmung“ müsse daher nicht nur auf lokale Bedürfnisse Rücksicht nehmen, sondern Teil des großen Ganzen sein, sagt Wunderer. Die globalen und technischen Entwicklungen (etwa von Drohnen oder 3D-Druckern) oder auch die durch die Pandemie beschleunigten Entwicklungen im Bereich des Tele-Workings können die Bedürfnisse der Menschen in der Region, in der heute viele Pendler leben, stark verändern.

All diese Umbrüche müssen auch verstanden und akzeptiert werden. Diese neuen Entwicklungen dürfen nicht nur „übergestülpt“ werden, sagt Wunderer,  sondern müssen auch erläutert und „kommuniziert“ werden. Das gelte gerade auch für die Ausbaupläne überregionaler Infrastrukturen wie des Flughafens oder der Breitspurbahn von Asien nach Europa.

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