Symposium zum SCHÖPFUNGSTAG – 1. September 2018

(Cooppa,Ilse Kleinschuster,07.09.2018) Unter dem Titel, „Für eine lebensfreundliche Welt mit Zukunft – Einen statt Spalten“, hat die ARGE SCHÖPFUNGSVERANTWORTUNG am 1. September 2018 in das Kardinal König-Haus in Wien zu einer Veranstaltung geladen. Gefördert vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus war dies ein gesellschaftspolitisch wichtiger, weil für die Nachhaltige Entwicklung impulsgebender Event.

Foto: ARGE Schöpfungsverantwortung

Als eine Art Selbstverpflichtung in Bezug auf Bewahrung der Schöpfung sei die bereits vorliegende Handlungsempfehlung an alle christlichen Kirchen zu sehen, der dringliche Auftrag gelte hier und jetzt, Schöpfungsverantwortung in das Zentrum des kirchlichen und persönlichen Lebens zu stellen. Dass dieser Empfehlung auch auf säkularer Ebene dringend nachzukommen sei, betonte Prof. Dr. Martin Lintner in seinem Vortrag „Die moralisch-ethische Sichtweise – Zur Befreiung des Konziliaren Prozesses“. Nicht nur habe die III. EUROPÄISCHE ÖKUMENISCHE VERSAMMLUNG von Sibiu 2007 NACHHALTIGEN LEBENSSTIL zum Schutz des Klimas als Handlungsempfehlung an alle christlichen Kirchen gerichtet, sondern habe auch Papst FRANZISKUS, der Einladung des ÖKOMENISCHEN PATRIARCHATS von 1989 folgend, 2015 den SCHÖPFUNGSTAG am 1. September als „Weltgebetstag“ für die Katholische Kirche erklärt. Somit werde heute zunehmend weltweit in den Kirchen der Schöpfungstag als Beginn der SCHÖPFUNGSZEIT (1. September – 4. Oktober – Weiterlesen )begangen.

Die ARGE Schöpfungsverantwortung (Gründungsmitglied des European Christian Environmental Network) fühlt sich ganz besonders verpflichtet, die Segnungen der Schöpfung zu achten und zu verteidigen. Allgemeine Besinnung auf Gerechtigkeit, Friede und Schöpfungsverantwortung soll nicht nur auf Empfehlung der Kirche (Laudato Si! – 2. Enzyklika von Papst Franziskus, 2015), sondern auch der Wissenschaft (IPCC, „Klima-Rat“) und der Politik (COP21, UN-Klimakonferenz 2015) als Kompass für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele/SDGs dienen (die 17 Ziele der Staatengemeinschaft mit 169 Unterzielen finden sich in der TRIAS desKonziliaren Prozess für Gerechtigkeit – Friede – Schöpfungsverantwortung“ wieder). Wobei – Gerechtigkeit die Ausrichtung am Gemeinwohl, im Sinne von Hilfe für- und miteinander zu einem Mehr an Leben zu gelangen, bedeutet – Friede mehr als Nicht-Krieg (Friede basiert auf dem Völkerrecht und ohne Frieden keine nachhaltige Entwicklung) – Schöpfungsverantwortung schließlich, als Prinzip der Ökologie, erfordert ein universelles, ganzheitliches Konzept für die tatsächliche Umsetzung.

Univ.Doz. Dr. Peter Weish, der weise Umwelt-Ethiker und Präsident des Forums Wissenschaft & Umwelt und des Naturbunds, hat mit seiner Eröffnungsrede „Zur Lage der Welt – Über die Ursachen der ökologischen Krise und den derzeitigen Umgang damit“ mit einem sehr beeindruckenden Powerpoint – Vortrag das Symposium bereichert. Er sprach zunächst vom großen ökologischen Wissen der nordamerikanischen Indianer, welches sie sich bis heute noch im Widerstand gegen kapitalistische Zerstörungstendenzen bewahrt haben. Zunehmend sei überall in der Welt Natur zerstört worden wo Menschen länger tätig waren. Zivilisation und Waldzerstörung, Zivilisation und Landraub und schließlich die industrielle Revolution – das alles hat für unseren Planeten nicht nur Gutes bedeutet. Die Verteilung der Güter dieser ERDE wurde immer ungleicher, der Mensch plus seinen Nutztieren verbraucht heute bereits 96% der gesamten Biomasse. Mithilfe des „ökologischen Fußabdrucks“ (Wackernagel/Rees), der globalen Messgröße des Naturverbrauchs, wird immer deutlicher, wie ein großer Teil der Weltbevölkerung zu kurz kommt (Living Planet Report) und, dass ein weltweites Ausgleichsverfahren vonseiten der Politik von höchster Priorität sein sollte. Peter Weish lässt in seiner Kritik an der Naturzerstörung durch Menschenhand vor allem das Erdölzeitalter nicht aus (Folie: Blut für Öl!) und bricht eine Lanze für die Kraft der Sonne – „Wake-up-to-the-Power-of-SOLAR!“

Er spricht von einem unfairen Wirtschaftssystem (der Superreichen), das primär die Wurzel für die Umweltkrise sei und er zeigt verschiedene Problemmultiplikatoren auf (Folie Hydrocarbon-Age) – „Einige Jahrzehnte billigen, reichlichen Erdöls habe genügt, um die Welt dramatisch zu verändern. Es entstanden: Riesige Siedlungsballungen, Riesige Industrieballungen und Gewaltige Verkehrssysteme -, aber auch billige Rohstoffe wie Stahl, Beton, Alu, Glas, Papier…“ – Und immer wieder kommt er darauf zu sprechen wie sehr die Komplexität der Dinge: die Machtbesessenheit, die Macht des Geldes und der technokratische Machbarkeitswahn zu Multiplikator-Faktoren der Krise wurden. Er warnt vor den „starken Strategien“ der Machtausdehnung und des Machterhalts und empfiehlt dazu immer wieder VORSICHT. Denn Bildung sei hier nicht gleich Bildung, aber entsprechende Literatur bzw. das Anhören von Gesprächen oder Vorträgen könne helfen. Er warnt auch vor „schwachen Strategien“ und gibt Empfehlungen ab, wie z.B. sich mal Prof. Rainer Mausfeld auf youtube anhören, der da meint, wir sollten uns mehr in Acht nehmen vor „Soft Power“: Regelungen vonseiten des Staates, Lenkung durch Framing, Deutungshoheit, Wortwahl (wie ‘Friedliche Nutzung der Kernenergie‘), Kampfbegriffe (‚Verschwörungstheoretiker‘, ‚Antisemit‘, ‚Putinversteher‘), Dekontextualisierungen oder Fakten als Meinungen (s. Folie 34, Kriegsvorbereitung und Geschichtsschreibung)

Peter Weish erinnert uns auch an die Bedeutung des Internationalen Gerichtshofs und mahnt die Beachtung seiner zukunftsfähigen Entwicklung ein – immerhin sei jetzt die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) mit ihren ethischen Prinzipien am Weg weltweit anerkannt zu werden, – dazu aber gäbe es noch eine große Wunschliste und Kritik sei angebracht. – Man sollte die Nachhaltigkeitsziele nicht klein reden – es sei doch ein Fortschritt, dass es jetzt mit SDG-Watch eine zivilgesellschaftliche Plattform von 140 Organisationen gäbe, die als ein kritisch beobachtender Beitrag zur Erfüllung der Nachhaltigkeitsziele in Österreich und der EU zu sehen sei.

Als ein engagierter Atomgegner weist er auch darauf hin, dass Österreich stolz sein könne auf eine Delegation, die sich kürzlich für die Erreichung eines internationalen Abkommens für das Verbot von Atomwaffen hervortat und dafür den Friedensnobelpreis erhielt.

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Einen statt Spalten – „There is no way to peace – peace is the way!“ – Peter Weish betont immer wieder wie wichtig eine Erstarkung der Friedensbewegung sei – denn, „ohne Frieden keine nachhaltige Entwicklung und ohne nachhaltige Entwicklung kein Frieden“. Er pocht auf die menschliche Vernunft, warnt vor der „Ökonomie des Krieges“ und rät, sich gut auf die Voraussetzungen von Frieden vorzubereiten – Zuvorderst, Gerechtigkeit: Keine Sonderrechte der Mächtigen. Ausnahmslose Einhaltung der UN-Charta und Anerkennung des Internationalen Gerichtshofes. Gewaltmonopol ausschließlich bei der UNO. Keine Doppelmoral. Das Gemeinsame ist vor das Trennende zu stellen.

Pete Hämmerle (Österreichischer Versöhnungsbund) hielt am Experten-Podium eine ergreifende Rede zum Thema Versöhnung und Nächstenliebe.

Wie sehr unsere Gesellschaft unter „kognitiver Dissonanz“ leidet hat die Künstlerin und Psychologin Marijke von Duin in ihrem Vortrag „Zur kognitiven Dissonanz“ hervorgestrichen. Es würden schon eigene Behandlungsmethoden entwickelt, um dem gerecht zu werden. Es hieße jetzt, das Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie eventuell psychischen Störungen zwischen dem tatsächlichen Verhalten und dem Wollen/Sollen zu begegnen sei. Um dieser „Psychologischen Dichotomie“ etwas entgegenzusetzen sei aber viel Zeit und Aufmerksamkeit nötig.

Viel war dann noch die Rede am Podium von friedensstiftenden Maßnahmen. Der ukrainische Sozialethiker, Prof. Dr. Volodymyr Scheremata meinte auch, dass die Umweltzerstörung Symptome einer Krankheit seien und es Aufgabe aller sei, den Bruch in den sozialen Bereichen nicht von der Erschöpfung der natürlichen Ressourcen getrennt zu sehen. Es sei eine Herausforderung für die DIAKONIE im Dienst der christlichen Nächstenliebe einen Beitrag für die nachhaltige Entwicklung zu leisten. Es werde bereits an einer Friedensstiftung plus Energie-Effizienzkoffer ‚gebaut‘.

In diesem Sinne drückte sich auch Dipl.Ing.Tobias Plettenbacher aus, ein bekannter Experte in Sachen Zweitwährungen und regionalen Lösungsfindungen, wenn er von Wachsdumm als einer Entwicklungsphase sprach, die maximal erreicht sei, wo die Raupe, statt sich zu entpuppen, nur mehr darüber nachdenke wie sie fetter werden könnte. Das biblische „Jubeljahr“, wo Grund und Boden zurückgegeben wird, – wo bleibt’s?

Im Anschluss bekam das Publikum Gelegenheit zu fragen, mitzudiskutieren. Warum diese Angst vor Mangel? Warum fällt es uns so schwer zu verzichten? Könnten wir nicht öfter Innenschau betreiben, mehr Zeit dafür aufwenden? Sollten wir eher die Schuld NICHT beim Individuum suchen, sondern beim Staat, der zu einer Fassade zu verkümmern droht: „Fassadendemokratie und Tiefer Staat“ (von Ullrich Mies & Jens Wernicke) – Peter Weish wird nicht müde zu besserer Information aufzufordern, Medienkompetenz zu erwerben, Bedrohung durch persönliches Engagement zu begegnen, mutig die Dinge zu hinterfragen, sich für einen humanen Dialog zu engagieren.

Viele gute Beiträge! – natürlich auch wieder die bekannte Klage eines Friedensaktivisten mit der grundsätzlichen Kritik an diesem kapitalistischen System, in dem zunehmend der RECHTs-Staat in Gefahr gerate, durch ökonomische Überwachung zu schrumpfen drohe. Letztendlich stellt jemand auch die Frage inwieweit ein Bedingungsloses Grundeinkommen die Menschen aus dieser Unfreiheit befreien könnte, sie wird gekontert durch die Frage inwieweit die Menschen das überhaupt wollen.

Im Zuge der Veranstaltung kam mir wieder zu Bewusstsein – wie schon so oft im Laufe meiner zivilgesellschaftlichen Tätigkeit – warum ich hier bin und warum ich mir das alles immer wieder anhöre. Ich glaube, es ist einfach, weil es guttut, beobachten zu können wie viele Menschen versuchen „das Richtige“ zu tun und zu sehen wie es immer mehr werden. Die Veranstaltung war gut besucht und – trotz vorgeschrittener Zeit – war das auch der Workshop von Tobias Plettenbacher (‚Solidarische Ökonomie in der Praxis‘), wo es erfreulich war zu hören, welche Vielfalt an Initiativen von gut informierten, organisierten und engagierten Menschen es bereits gibt.

Ich denk‘, es ist Zeit, dass immer mehr Leute die Modellierung des Menschen als Homo Oeconomicus als eine unerträgliche Selbsterniedrigung begreifen lernen. Es ist Zeit, sich zu erinnern, dass der Höhepunkt der Schöpfung die ‚Ruhe des siebenten Tages‘ ist. Oder, was meint ihr?!?

 

Bildquelle: https://www.argeschoepfung.at/schoepfungszeit/schoepfungszeit.html

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