Singen für’s Klima

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(cooppa, 24.06.2020, Fritz Hinterberger) Die Kampagne der Initiative für das Klimavolksbegehren läuft auf vollen Touren. „Jede Stimme zählt“ lautet die Devise. Denn die Zahl an Unterschriften, die gebraucht, damit die Forderungen eines Volksbegehren im österreichischen Parlament behandelt wird, haben die Initiator*innen längst erreicht. Schon zur Einreichung wurden mehr als 100.000 amtlich beglaubigte Unterschriften abgegeben. Nun geht es darum, zu zeigen, dass die Bewegung lebt. Und sie lebt gut.

Noch vor ein paar Tagen war die Befürchtung groß: „Liebes @BMI_OE! Schön langsam bin ich es leid.“ twitterte die Initiatorin des Volksbegehrens Katharina Rogenhofer (@KRogenhofer). „Zuerst setzt ihr das @klima_vb unter Corona-Beschränkungen an und dann bekommen wir die versprochene Liste der Eintragungslokale und Öffnungszeiten nicht Mal wie versprochen eine Woche vor dem entscheidenden Endspurt?“

Aber dann ging es so richtig los. Über 1000 Aktivist*innen unterstützen die Kampagne, Prominente, Wissenschaflter*innen und selbst die Bischöfe outen sich in den sozialen und klassischen Medien als Unterstützer. Auch die Kronen Zeitung titelt darüber und räumt dem Anliegen viel Platz ein.

Warum eigentlich? Wenn das offizielle Ziel längst erreicht ist? 45 Volksbegehren hat es bislang gegeben. 36 haben die 100.000 erreicht. Um unter die ersten 30 zu kommen, müssten es schon 200.000 Unterschriften werden. Das schaffen wir leicht! Hier ist die ganze Liste. Ein Ausschnitt dieser Liste, wird am Abend des 29.6. traditionellerweise im Fernsehen gezeigt werden. Und dann geht es ganz einfach darum, den wievielten Platz „wir“ geschafft haben. Um unter die ersten 10 zu kommen, braucht das Klimavolksbegehren schon 627.560 Unterschriften – und wäre damit vor dem Pensionsvolksbegehren von 2006 und hinter dem Frauenvolksbegehren von 1997. Keine schlechte Gesellschaft. Also müssen diese Woche noch mindestens 500.000 dazu kommen.

Das Klimavolksbegehren wird so freiwillig oder unfreiwillig auch zum Gradmesser des aktuellen Zustands der Klima-Bewegung des Jahres. Und die scheint nach ruhigeren Monaten und erzwungenem Corona-Shut-Down ein kräftiges Lebenszeichen von sich zu geben. Nur ein Beispiel: ein paar Tage, bevor es so richtig los ging, traf sich eine sangesfreudige Gruppe beim „Garten Augustin“, einigen von Extinction Rebellion und Freund*innen angelegten Hochbeten im 5. Wiener Gemeindebezirk, um ein Lied zu proben und aufzunehmen, das zur Unterschriftsabgabe aufruft.

Das Lied soll über Social Media verbreitet werden und auf das Klimavolksbegehren aufmerksam machen, sowie motivieren in der Eintragungswoche aufs Gemeinde-/ Bezirksamt zu gehen oder per Handysignatur zu unterschreiben.

„Nach dieser Erde wäre da keine, die eines Menschen Wohnung wär!
Darum, Menschen, achtet und trachtet, dass sie es bleibt.
Wir begehren für das Klima und wir unterschreiben jetzt!“, ist die umgetextete Version des Kanons „Nach dieser Erde“.

„Je bunter die Gruppe an Menschen im ersten Video ist, umso besser. Wenn du in deinem Arbeitsgewand, mit einem Shirt, einer Jacke oder einem Kapperl der Organisation oder des Vereins in dem du dich engagierst, in Kleidung, die dich auf andere Art und Weise repräsentiert, und natürlich auch ganz einfach so, wie du dich am Wohlsten fühlst, kommen kannst, zeigen wir dadurch, dass wir mit unterschiedlichem Background für eine gemeinsame Sache stehen. Und zusammen etwas Schönes, Verbindendes schaffen können“, schrieb Karin Österreicher, die musikalische Leiterin in ihrem kurzfristigen Aufruf, dem dutzende engagierte Sänger*innen dann auch gefolgt sind.

„Alle sind willkommen!“, lautete das Motto. „Hoffentlich werden wir möglichst bunt gemischt sein: SanitäterIn, Businessfrau/-mann, InstallateurIn, PriesterIn, GärtnerIn, PfadfinderIn, SportlerIn, jung bis alt, … Das wär doch schön :-)“, war in der Einladung zu lesen. Und so schön war es dann auch. Die Aktivist*innen von „Robin Foods“, sorgten mit ihrer Aktion „A Herzerl für’n Augustin!“ zugunsten der gleichnamigen Wiener Obdachlosenzeitung für die nötigen Kalorien in Form einer kostenlose Ausgabe sonst weg geworfener Lebensmittel und die neu zusammen gefundene Chor-Formation zog die Aufmerksamkeit der Passant*innen auf sich.

In der Idee, den Kanon aufzunehmen und über die Sozialen Medien zu verbreiten, steckt die Hoffnung, viele Menschen über Musik zu berühren und zur Unterstützung des Klimavolksbegehrens mit ihrer Unterschrift zu bewegen. „Wenn unsere Aktion andere zum Nachahmen motiviert, können dadurch hoffentlich noch mehr Menschen erreicht werden“, sagt Georg Pleger, einer der Initiator*innen und Urgestein des „Extinction Rebellion“-Chors. Möge die Übung gelingen!

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