R.U.S.Z: Ein Sozialunternehmen macht EU-Politik!

(cooppa, Fritz Hinterberger, 18.06.2018) Vor 20 Jahren hat Sepp Eisenriegler in Wien das Reparatur- und Service-Zentrum R.U.S.Z als sozial-ökonomischen Betrieb gegründet, der die Re-Integration von Arbeitslosen mit dem Anliegen verbindet, Ressourcen zu sparen. Jede reparierte und weiter verwendete Waschmaschine erspart die Produktion einer neuen – und schont die Ressourcenbasis der Menschheit damit auch dann, wenn sie pro Waschgang mehr Wasser und Energie verbraucht als ihr Nachfolgemodell. Bei einer Pressekonferenz Ende Mai stellte Eisenriegler nicht nur seine eigene Erfolgsbilanz vor, sondern forderte gleichzeitig von der Politik, Reparatur und Reparierbarkeit stärker zu fördern.

 

So wurde das R.U.S.Z zu einem überregional bekannten, eigenständigen sozialen Unternehmen und Kompetenzzentrum für Reparatur und Re-Use, in dem seit zwei Jahrzehnten Wissen über die Qualität von Geräten gesammelt wird, das wiederum in die Forderungen an die Produzenten wie auch an die Politik einfließt. So entstand unter anderem das einzigartige österreichische „Gütezeichen für langlebige, reparaturfreundlich konstruierte elektrische und elektronische Geräte“ (als österreichische Norm ONR 192102:2014). Das operative Geschäft und die hausinterne F&E-Abteilung unterstützen sich gegenseitig auf einer soliden praktischen und theoretischen Basis.

(© edition a)

Eisenriegler wurde so, zuletzt auch als Autor des Buchs „Konsumtrottel“ (edition a, 2016), nicht nur zum Experten für geplante Obsoleszenz, sondern vor allem zum EU-weiten Lobbyisten für eine Politik, die „Kreislaufwirtschaft“ zu einem ihrer wichtigsten Prinzipen erhoben hat. Dabei ist es gelungen, Reparatur und Wiederverwendung in der Elektroaltgeräterichtlinie, aber auch in der Abfallrahmenrichtlinie der EU prominent zu platzieren. Aktuell arbeitet das R.U.S.Z an der Weiterentwicklung der Ökodesignrichtlinie und dem systemischen Wandel von einer ressourcenverschwendenden linearen zu einer zirkulären Wirtschaftsweise mit. Die schon erwähnte österreichische Norm hat bei den EU-Institutionen massives Interesse geweckt. Der nunmehr laufende, von der EU-Kommission beauftragte Standardisierungsprozess „Energy Related Products – Material Efficiency Aspects for Ecodesign“ lehnt sich teilweise an der österreichischen Norm an.

Die Zeit drängt! Forderungen an die Politik

Aber, so Eisenriegler, viele Reparaturbetriebe werden die Auswirkungen der neuen EU-Ordnungspolitik nicht mehr erleben, die die Reparatur vieler Geräte einfacher und damit wirtschaftlicher machen soll. Denn: die Übergangsfristen sind für die kleinen, qualifizierten Reparateure im Wettbewerb mit dem Handel einfach zu lang. Viele stehen heute schon am Rande des Konkurses. Daher fordert Eisenriegler gerade jetzt zum 20-jährigen Bestehen und vor der beginnenden EU-Ratspräsidentschaft von der Österreichischen Bundesregierung ein Maßnahmenpaket zur „aktiven Unterstützung des Wandels von der linearen zu einer zirkulären Wirtschaftsweise und Verhinderung von geplanter Obsoleszenz“, wie sie immerhin schon im Regierungsprogramm auf S.173  festgehalten wird.:

  • eine drastische Senkung der Mehrwertsteuer auf seriöse Reparaturdienstleistungen und Gebraucht-Geräte
  • Förderung der Reparatur, wie sie beispielsweise in Schweden aber auch in Graz bereits praktiziert wird sowie
  • das Verbot irreführender Werbung

Eisenriegler kündigt anlässlich einer Pressekonferenz zum 20-jährigen Bestehen des R.U.S.Z. dafür eine parlamentarische Petition für „zukunftsfähiges Wirtschaften und ressourcenschonenden Konsum“ an, für die auch schon erste Parlamentarier gefunden wurden, die diese im Petitionsausschuss des Nationalrats einzubringen bereit sind.

Währenddessen expandiert das R.U.S.Z. Eisenriegler  war nicht nur Initiator des ReparaturNetzWerk Wien, des Österreichischen Dachverbandes einschlägiger sozialwirtschaftlicher Betriebe RepaNet und des EU-Dachverbandes RREUSE. Neuerdings wächst das R.U.S.Z als Franchise-Marke. Während in Graz bereits eine eigene Filiale gegründet wurde, arbeitet Eisenriegler gemeinsam mit dem Umweltamt der Stadt Graz an der Einrichtung eines ReparaturNetzWerks nach Wiener Vorbild. Noch 2018 sind Franchising-Filialen in Linz und Vorarlberg geplant, 2019 in München, Berlin und Hamburg.

 

So leistet das R.U.S.Z auch erhebliche Beiträge zur Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele der UNO: „Wir unterstützen insbesondere die SDGs 8 (menschenwürdige Arbeit und nachhaltiges Wirtschaftswachstum), 12 (nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster) und 13 (Kampf gegen den Klimawandel)“, so Eisenriegler. Eine weltweite Nachahmung sei deshalb dringend empfohlen! Zur 20-Jahr-Feier am Werksgelände des R.U.S.Z hat sich zur Unterstützung der weiteren Arbeit mit Altbürgermeister Häupl auch politische Prominenz angesagt.

Und schließlich mischt Sepp Eisenriegler ausgehend von seinem praktischen und politischen Wissen immer auch bei den großen, gesellschaftspolitischen Debatten mit. Die Ressourenverschwendung durch Obsoleszenz sei Markt – und Staatsversagen, sagte er bei der Pressekonferenz. Am 25.6. veranstaltet er zum Abschluss des 20-Jahr-Jubiläums dazu eine Podiumsdiskussion in der Wiener Urania: von der imperialen Lebensweise zur Kreislaufwirtschaft.

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3 Gedanken zu „R.U.S.Z: Ein Sozialunternehmen macht EU-Politik!

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