Grüner Wiederaufbau überall

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(cooppa, 26.06.2020, Christian Hinterberger & Fritz Hinterberger) Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, ist das öffentliche Leben und Wirtschaftstreiben in vielen Teilen der Welt für einige Wochen zum Erliegen gekommen. Ein positiver Nebeneffekt: nachdem sich in einigen Städten der Smog lichtete und Gewässer bis hin zu den Kanälen von Venedig plötzlich klarer wurden, sank auch der CO2-Ausstoß merklich. Während einige Ländern ihre Lockdowns beenden, scheint sich die rasch geäußerte Skepsis von Klimaexperten und Umweltschützern diesem kurzfristigen Einschnitt gegenüber indes zu bestätigen. Tatsächlich steigen die Emissionen inzwischen wieder „überraschend schnell“ in Richtung des klimaschädlichen vor-Corona-Niveaus. Der Weg zurück zum Business as Usual scheint eingeschlagen – mit all seinen Problemen.

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund fordern zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen und Bündnisse in Österreich und Deutschland, den Pfad aus der Krise anders zu gestalten. „Wie Schwammerln“ aus dem Boden geschossen, seien Appelle und Forderungskataloge in Folge der Coronakrise laut Wolfgang Pekny, der lange bei Greenpeace tätig war und vor mehr als einem Jahrzehnt die Plattform Footprint (footprint.at) gegründet hat. Als Mitinitiator des Krumbacher Kreises und des #Lebensmanifest ist er selbst Teil jener, die sich für einen nachhaltigen Neustart einsetzen. „Wir müssen uns wandeln und wann ist das geeigneter als jetzt, wenn wir eh neustarten müssen?“, sagt er im Gespräch mit cooppa. Eine Langfassung des Gesprächs gibt es als Video hier.

Um die verschiedenen Akteure und deren Anliegen besser zusammen zu bringen und Kräfte zu bündeln haben Wolfgang und Erik Pekny mehr als ein Dutzend unterschiedliche Forderungen aus Österreich und Deutschland verglichen. Ziel war es Überlappungen, Ergänzungen und Widersprüche zu identifizieren. Man wolle auch herausfinden, ob bestimmte Punkte bewusst wegelassen oder nur der eigenen Fokussierung wegen übergangen wurden. Die ersten Ergebnisse wurden in einer Tabellenmatrix zusammengefasst.

Obwohl oft beide Dimensionen vorhanden sind, heben manche Aufrufe wie beispielsweise das #Lebensmanifest besonders ökologische Aspekte hervor, während andere Appelle soziale Gesichtspunkte stärker ins Zentrum rücken. Selbst habe er mit seinen Mit-Initiatoren etwa schon erkannt, dass andere Spannungsfelder wie Konsum oder Bevölkerungswachstum im #Lebensmanifest nicht explizit erwähnt werden – auch weil man solche Themen implizit aus der eigenen Arbeit mitdenke.

Nicht zuletzt um solche blinde Flecken aufzudecken soll die Matrix, in der die unterschiedlichen Forderungskataloge verglichen werden, dann auch den jeweiligen Appellant*innen übermittelt werden – um dann möglicherweise auf einen gemeinsamen Appell, quasi ein #Lebensmanifest 2.0, für einen ökologisch und sozial nachhaltigen Neustart zu kommen. Als bezahltes Follow-up für diese bislang ehrenamtliche Arbeit könnte man dann auch die Regierungsprogramme in Österreich oder Deutschland mit solch einem zivilgesellschaftlichen Forderungskatalog vergleichen.

„Es muss sich etwas in den Köpfen verändern“, ist Pekny überzeugt. Auch wenn viele Übereinstimmungen existierten, gerade über mögliche Widersprüche in Zielen oder Mitteln müsse eine möglichst breite und tiefer gehende Diskussion in Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik angestoßen werden. Denn: „Wenn wir hier unter den Menschen einen Konsens finden können, dann haben wir wirklich etwas gelernt aus dieser Krise“.

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