greenstart – Durchstarten für Grüne Startups

(cooppa, Aurelia Jurtschitsch, 28.11.2018) Zum vierten Mal stellte der Klima- und Energiefonds Anfang November die zehn besten Einreichungen für CO2-sparende Geschäftsmodelle der Öffentlichkeit vor.  Neben 6.000 Euro Startkapital werden den JungunternehmerInnen in den kommenden Monaten  auch Workshops, Coachings und ein themenspezifisches Netzwerk zur Weiterentwicklung ihrer klimaschonenden Geschäftsideen geboten. Dies geschieht in Kooperation mit dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT), das den Klima- und Energiefonds 2007 mit dem zentralen Anliegen ins Leben gerufen hat: Zero Emission Austria. Neue Technologien und optimierte Energieanwendungen sollen gemeinsam mit einer nachhaltigen und emissionsfreien heimischen Energieaufbringung dafür sorgen, dass Österreich von Öl- und Gasimporten unabhängig wird. greenstart ist eines der diversen Förderprogramme, die bis zum Aufbau von Modellregionen reichen. Seit 2007 wurden insgesamt 110.000 Projekte mit einem Fördervolumen von 1,2 Mrd Euro unterstützt.

Aus mehreren Bundesländern kamen die Prämierten dieses Jahr angereist, um in einer jeweils 1-minütigen Präsentation ihre Projekte zu umreißen. Armand Colard fragte zu Beginn, wer von den Anwesede sein Geld anlege. Wenige hoben die Hände. Und doch ist praktisch jede/r über Sparbuch, Konto bei einer Bank oder Versicherung indirekt Anleger. Hier setzt CLEANVEST by ESG+ an: diese digitale Plattform, macht es für jede/n PrivatinvestorIn möglich, klimaschonende und sozial nachhaltige Fonds einfach und gut verständlich zu identifizieren und in diese zu investieren bzw. bestehende Investitionen nach Kriterien anerkannter NGOs (z.B. fossil-, waffen- und kinderarbeitsfreie Fonds) prüfen zu lassen. Trotzdem kann auch nach der besten Rendite oder nach verschiedenen Risikokategorien gefiltert werden.

Etagrow – vorgestellt durch Florian Ablinger – ist ein neuartiges Beleuchtungssystem für Gewächshäuser, das den Energieverbrauch einer Pflanzenproduktion um bis zu 50% reduziert und die Qualität der Produkte verbessert. Durch ein neuartiges Kühlsystem der Beleuchtung soll dabei der ökologische Fußabdruck solcher Anlagen drastisch reduziert werden. Smartes Design, neueste Technologien und eine neue Form des Klimamanagements machen es möglich.

Kernspaltung der etwas anderen Art macht Kern Tec so attraktiv. Steinobstkerne werden mittels vollautomatisierter Technologie aufgespalten, sortiert und veredelt. Das liefert den Rohstoff für weitere Anwendungsbereiche, wie Genuss- und Kosmetiköle, Proteinmehle, Snacks und natürliche Strahlmittel. Kern Tec betreibt eine energie-autarke Produktionsstätte und bietet für obstverarbeitende Groß- und Kleinbetriebe eine zusätzliche Einnahmequelle, Ressourcenschonung durch Nutzung der gesamten Pflanze sowie hochqualitative und regionale Produkte für die EndkonsumentInnen.

Auch dieses Projekt bezieht sich direkt auf Landwirtschaft. Hecken an den Rändern von Feldern erhöhen die Biodiversität, steigern den Ertrag durch mehr Wildbestäuber, reduzieren Pflanzenschutzmittelbedarf durch natürliche Fressfeinde und lagern erheblich mehr CO2 ein. Die Micro-Macro App scannt, analysiert und bewertet die Biodiversität der Felder, Hecken und Ackerrandstreifen, die Hürden zur Beantragung von Förderungen von biodiversitäts- und klimawirksamen Maßnahmen werden gesenkt. Dadurch wird Landwirten der Zugang zu ökologisch motiviertem Zusatzeinkommen erleichtert.

Sabine Fallmann-Hauser stellte „Meine Wollke“ vor (Foto: greenstart)

Themenwechsel: Sabine Fallmann-Hauser nahm sich der gesunden sowie nachhaltigen Frauenhygiene an und entwicklte eine Bio-Slipeinlage, die als Meine Wollke bereits im Verkauf ist. Es wird nur „GOTS“-zertifizierte Bio-Baumwolle verarbeitet, was eine ökologische und soziale Produktion garantiert, und enthält keinerlei Zusatzstoffe (Glyphosat, Dioxine; Duftstoffe, Weichmacher). Da sie wiederverwendbar ist, ersetzt Meine Wollke rund 16.800 herkömmliche Slipeinlagen, die eine Frau durchschnittlich in ihrem Leben verwendet.

Auch für das „Stille Örtchen“ wurde mit ÖKlo eine neue ökologische, mobile Innovation gefunden (nachdem sich das Humusklo von Friedensreich Hundertwasser nicht breitenwirksam durchgesetzt hat). Keine Verschwendung/Belastung von (Trink-)Wasser, Energie sparend, den Nährstoffkreislauf schließend, dank der geruchsbindenen Sägespäne nasenfreundlich, für jeden Standort geeignet, selbst auf Booten, und ein Handling ohne Saugwagen – das sind die Assets.

Das Thema CO2-arm Reisen ist knifflig und beschäftigte einige Projekte. Das Businessmodell von Reisebunt als Social Startup setzt auf das Angebot der kostenlosen CO2-Kompensation. Reisebunt pflanzt für jede im Internet gebuchte Reise einen Baum, derzeit in Äthiopien! Dadurch entsteht ein Multiplikationseffekt, da zum einen die Anzahl der gepflanzten Bäume steigt und zum anderen jeder einzelne Baum in seiner Wachstumsphase jährlich mehr CO2 binden kann.

Der Online-Service triply ermöglicht es Veranstaltern von Events, sichere und umweltfreundliche An- und Abreise anzubieten, sowie Bedarfsverkehr zu organisieren. Das Ziel von triply ist, die Zahl der Unfälle und alkoholisierten Fahrer zu reduzieren sowie die Mobilität im ländlichen Raum nachhaltiger zu gestalten. Mit Hilfe eines Routingverfahrens werden fertige Mobilitätslösungen für Veranstalter kleiner und großer Events generiert und vergeben. Das erhöht die Sicherheit der Gäste und spart Parkplätze. Bei genügend Bestellungen auch für regionale Busunternehmen interessant.

„ummadum“ wurde mit dem Ziel gegründet, Verkehrsströme des Individualverkehrs und des öffentlichen Verkehrs durch eine Echtzeit-Mitfahrplattform in Form einer mobilen App für alle Verkehrsteilnehmer sichtbar und dadurch nutzbar zu machen – das Hauptaugenmerk liegt auf dem Pendlerverkehr. Insbesondere für regelmäßige Fahrten (gleiche Richtung, gleiche Zeiten) bietet dies ein großes Potenzial für zukunftsorientierte Mobilität.

Einfache Verarbeitung von Plastik(müll) mit Plasticpreneur (Foto: greenstart)

Plastikrecycling für alle: Das Unternehmen Plasticpreneur beschäftigt sich mit der Entwicklung von einfach herzustellenden und kostengünstigen Maschinen zur Verarbeitung von Plastik(müll), ebenso mit der Bereitstellung von Entrepreneurial Tools für Anwender und mit der Produkt- und Geschäftsmodellentwicklung. Dadurch können aus Müll neue Produkte, Projekte und Unternehmen entstehen. Einsatzmöglichkeiten liegen beispielsweise in der Produktentwicklung, (Klein-)Serienproduktion, Entwicklungshilfe und Bewusstseinsbildung.

Nachdem bei dem Event der diesjährigen ausgewählten Greenstarts auch drei erfolgreiche Greenstarterinnen aus früheren Jahren noch einmal vor das Mikrofon gebeten wurden und Einblick in ihre bisherigen Erfahrungen, Hürden und bestärkenden Momente gaben, kann man nur gespannt sein, wie sich die neuen Greenstars nicht zuletzt durch die Unterstützung durch den Klima- und Energiefonds entwickeln werden.

Links:

Fotos: greenstart / Klima- und Energiefonds

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