Diese Wirtschaft lebt! – Impressionen vom 4. Schremser Pfingstsymposium

(cooppa, Fritz Hinterberger, 24.05.2018)

„Diese Wirtschaft tötet!“ stand auf den Plakaten und Anzeigen zum Pfingstsymposium der GEA Akademie  und des Rückenwind-Verbandes in der Waldviertler Schuhwerkstatt. Immerhin ein Zitat von Papst Franziskus. Darunter: „wir bauen eine andere!“ Über 100 Menschen sind in diesem Jahr nach Schrems gekommen. Und die meisten von ihnen bauen schon.

Der Rückenwind-Verband, Ende 2016 neu zugelassener Revisionsverband gemeinwohlorientierter Genossenschaften, hat seit seiner Gründung bereits 13 im Firmenbuch eingetragene Mitglieder – von der Architektur:lokal eG, die sich der die traditionsbewussten Erneuerung von Gebäuden widmet, über diverse Lebensmittel-Händler bis hin zur lab10 collective eG, das IT-Dienstleistungen rund um Blockchain-Technologien anbietet – etwa für virtuelle Regionalwährungen. Die Anträge zweier weiterer Genossenschaften in Gründung liegen bei den zuständigen Gerichten (darunter auch der unserer cooppa Mediengenossenschaft!). Etliche weitere stehen in den Startlöchern. In einem „Peer to Peer“-Gespräch haben sich Vertreter der anwesende Mitgliedsgenossenschaften darüber ausgetauscht, wie die „Gemeinwohlorientierung“ in ihren Unternehmen verankert und weiter entwickelt werden kann.

Foto: Plenum Pfingstsymposium 2018
Foto: Pfingstsymposium – GEA/Rückenwind
Große Vielfalt

Die großen Themen der Organisatoren und Anwesenden in diesem Jahr waren GRÜNDEN & NACHFOLGEN, WOHNEN & ENERGIE, FINANZIERUNG & KOMMUNIKATION sowie LANDWIRTSCHAFT & ERNÄHRUNG

Etliche „Agrarrebellen“, die sich seit Jahren gegen die herrschende „Markt“-Ordnung zur Wehr setzen und etwa höhere Milchpreise für die Bauern fordern, versuchen nun, über Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaften ihre Situation selbst in die Hand zu nehmen. Tradition und moderne Technologie sind dabei kein Widerspruch – etwa in einem Laden in Oberösterreich, in dem die KundInnen rund um die Uhr scannen, bezahlen und abholen können sollen, was regionale Erzeuger vorher dort hin gebracht haben. Anta Vlachoutsicos stellte ihr Projekt in Zakyntos, Griechenland vor, mit dem sie Olivenöl lokaler Bauern in Österreich vertreibt und gleichzeitig Akteure im Bereich regionaler nachaltiger Entwicklung (von der Vermarktung lokaler Produkte bis hin zum Schutz von Meeresschildkröten) vernetzt.

Oder Peter Molnar, der eine neue Energiegenossenschaft vorstellt, in der gewerbliche und private Energieerzeuger direkt an ihre Kunden Strom liefern können. Natürlich spielt der „schnöde Mammon“ immer wieder eine große Rolle. Und Gastgeber Heini Staudinger, Waldviertler Schuhfabrikant und „Finanzrebell“ rechnet wieder einmal vor, wie viele Milliarden Sinn-suchendes Kapital es allein im deutschsprachigen Raum eigentlich geben sollte. Wenn es uns gelingt, diesen Sinn zu kreieren und zu kommunizieren, wie fair mit dem geliehenen Geld umzugehen ist, Vertrauen zu bilden und ein Konzept, das sich nicht von einzelnen Geldgebern abhängig macht, können wir mit diesem Geld eine bessere Welt bauen, so Staudinger. Mit seiner eigenen Kampagne, die jahrelang die österreichische Finanzmarktaufsicht beschäftigt hat und schließlich Vorbild für das einschlägige Alternative Finanzierungsgesetz (AltFG) war, hat er es vor- und vielen Mut gemacht. Nun hilft er andern, es ihm gleich zu tun.

Foto: Pfingstsymposium Runde draußen
Foto: Pfingtsymposium – GEA/Rückenwind
Die Alternativen gibt es

Das ist umso mehr notwenig, als etliche Pioniere der nachhaltigen Wirtschaft in die Jahre gekommen sind und Nachfolger suchen. Und auch immer mehr bislang konventionell geführte Unternehmen könnten von gemeinsinnig denkenden Menschen übernommen werden, wenn diese nur Zugang zum dafür nötigen Kapital hätten. Die Instrumente dazu gibt es: Alternativ-Finanzierung und Genossenschaften. Und mit der GEA Mama eG wurde eine Holding-Genossenschaft gegründet, die sich später einmal auch an anderen Gemeinwohl-orientierten unternehmen beteiligen soll.

Wie immer in Schrems kamen neben dem Geist auch Körper und Seele nicht zu kurz. Von Jonglier-Workshops über Lachjoga, Konzerten mit Altmeister Peter Ratzenbeck und den Youngsters von Alpine Dweller bis hin zum obligatorischen Bad im „Bill Gates Pool“ reichte der Bogen. Von der wunderbaren Verpflegung im Hotel Rössler der GEA Akademie einmal ganz abgesehen. Diese Wirtschaft lebt!

Links:

Beitragsbild: Pfingstsymposium / Manuel Gruber

5 Gedanken zu „Diese Wirtschaft lebt! – Impressionen vom 4. Schremser Pfingstsymposium

  • 26. Mai 2018 um 6:37
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    Ich finde das Anliegen sehr interessant und prinzipielle unterstützenswert. Allerdings beunruhiggen mich zwei Wahrnehmungen:

    – insgesamt orte ich noch zu viel Untertanenmentalität und
    – ein denken, das noch zu viel vom „Gott Mammon“ beherrscht ist.

    Das bremst die (mentale) Entwicklung ungemein.

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