Boden-Alarm anlässlich des Earth Overshoot Days am 29. Juli 2019

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(cooppa, 29.07.2019, Aurelia Jurtschitsch) Der weltweite Ressourcenverbrauch ist fast schon doppelt so hoch, wie es Wissenschaftler im Sinne von Nachhaltigkeit als vertretbar ermessen. Die Menschheit – und die hochzivilisierte insbesondere – betreibt schlichtweg Raubbau an der Natur, an den Boden- und Wasserschätzen der Erde oder benutzt sie als Mülldeponie-  inklusive der Atmosphäre.

Der Earth Overshoot Day oder Welterschöpfungstag  fällt 2019 bereits auf den 29. Juli – statt auf zumindest den 31. 12. 2019. Für Österreich war dieser Overshoot Day bereits am 15. April, wie Greenpeace zu diesem Zeitpunkt verlauten ließ. Wir vebrauchen hierzulande also etwa dreimal so viel, wie der Planet nachproduzieren kann – würde jeder so leben wie in Österreich, bräuchten wir also drei Erden.

(Quelle: Umweltbundesamt)

Aber wir können es noch „besser“. Österreich ist Spitzenreiter im Versiegeln von fruchtbarem Boden. Ein Austrian Soil Overshoot Day wäre bereits Ende Jänner / Anfang Februar! Vor 15 Jahren wurden PRO TAG über 20 Hektar Land verbaut, was zumindest bei einigen WissenschaftlerInnen und Verantwortlichen die Alarmglocken läuten ließ. Seither plädieren sie dafür, dass nur 2,5 Hekar Boden pro Tag verbaut werden sollen – pro Jahr insgesamt also nur etwa 900 Hektar. Der tägliche Verbrauch wurde zwar inzwischen auf ca. 12 Hektar gesenkt (oder 4.400 Hektar/Jahr), das ist somit aber Ziel noch lange nicht erreicht.

Grafik zur Flächeninanspruchnahme des Umweltbundesamts
Grafik zur Flächeninanspruchnahme (Quelle: Umweltbundesamt)
Es scheint einen Grund zu geben: Es fehlt nach wie vor an einer bundesweiten gesetzlichen Regelung.

Zehn gewichtige österreichische Institutionen (so etwa das Umweltministerium und die Landwirtschaftskammer) unterzeichneten Ende 2014 – unmittelbar vor dem weltweiten Jahr des Bodens 2015 – die Bodencharta. Woran scheitert also die bessere Regelung und Umsetzung? Am Straßen-, Bahn- und Flugpistenbau, an den Gewerbeflächen „auf der Grünen Wiese“, ebenso den Shopping-Malls, den privaten und kommunalen Verhüttelungs- und Freizeit-Facilities-Ambitionen, den zuständigen Beamten und Privatpersonen? Die Österreichische Hagelversicherung gibt folgende Fakten zum Bodenverbrauch an:

  • Österreich verliert jährlich 0,5 % seiner Agrarfläche. In 200 Jahren gäbe es bei Fortschreiten dieser Entwicklung so gut wie keine Agrarflächen mehr in Österreich. In den letzten 50 Jahren wurden bereits 300.000 Hektar Felder und Wiesen verbaut – so viel wie die gesamte Ackerfläche Oberösterreichs.
  • Österreich hat mit 1,67 m² die höchste Supermarktfläche pro Kopf (zum Vergleich: Italien 1,03 m², Frankreich 1,23 m²)
  • Österreich hat mit 15 Meter pro Kopf eines der dichtesten Straßennetze (Deutschland 7,9 Meter, Schweiz 8,1 Meter pro Kopf)
  • In Österreich gibt es lt. Umweltbundesamt 130.000.000 m² (= 13.000 ha) Industriebrachen. Inklusive Gewerbeflächen und leerstehender Häuser schätzt man die verbaute ungenutzte Fläche auf 400.000.000 m² (= 40.000 ha).

In einer Broschüre des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus wird außerdem darauf hingewiesen, dass Aufgrund der hohen gebirgigen Flächenanteile Österreichs nur geringe Flächen als Dauersiedlungsraum für die landwirtschaftliche Produktion, Siedlungsentwicklung und Infrastruktur zur Verfügung stehen. Österreich, dieses wirklich nicht große Land, liegt weltweit bei den Tourismusankünften an 11. Stelle, wobei die Hälfte der Nächtigungen in Tirol und Salzburg getätigt werden – gerade dort also wo die Landschaft nicht mit endlosen Weiten sondern mit Bergen gesegnet ist und sich Verbauung sich umso dramatischer auswirkt. Wohin soll also insgesamt die Reise gehen?!

Links:

Beitragsbild von Lubos Houska auf Pixabay

Ein Gedanke zu „Boden-Alarm anlässlich des Earth Overshoot Days am 29. Juli 2019

  • 30. Juli 2019 um 13:49
    Permalink

    Die Preise für den Verbrauch von sensiblen Umweltressourcen muss radikal rauf. Man kann dadurch humane Belange finanzieren. Nur so kann der totale clash von Gesellschaft und Umwelt vermieden werden. Raimund Dietz proVollgeld.at

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